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Die LexGramContinuMap ist ein Tool, mit dem die im Konstruktikon des Deutschen dokumentierten Konstruktionen im Lexikon-Grammatik-Kontinuum verortet und in Gestalt eines Blasendiagramms auch hinsichtlich ihrer Auftretensfrequenz innerhalb der ausgewählten Kategorien graphisch veranschaulicht werden können. Die Dimensionen, hinsichtlich derer Konstruktionen auf der X- und der Y-Achse dargestellt werden sollen, können selbst frei gewählt werden. Außerdem lassen sich die Konstruktionen durch das Ein- und Ausschließen sowie Kombinieren verschiedener Parameter vorfiltern.

Auswahl der Achsen-Dimensionen

Die LexGramContinuMap stellt Konstruktionen hinsichtlich ihrer Verortung im Lexikon-Grammatik-Kontinuum in einem Blasendiagramm graphisch dar. Die Größe der Balsen bildet ikonisch die bislang erfasste Anzahl an Konstruktionen ab. Auch hier können die Dimensionen, die die Verortung auf der X- und Y-Achse bestimmen, frei gewählt werden. In der Standardeinstellung definiert die Dimension der Schematizität die X-Achse und die Dimension der Idiomatizität die Y-Achse. Eine entsprechende graphische Veranschaulichung wird über den Button > Visualisierung berechnen generiert; zur Veranschaulichung vgl. Abb. 1 .

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Abb. 1: Veranschaulichung der LexGramContinuMap (Stand der Daten: Juli 2024)

In Abb. 1 zeigt sich beispielhaft, dass die Größe und farbliche Ausweisung der Blasen mit der jeweils angegebenen Gesamtzahl der zum Abfragezeitpunkt im Konstruktion dokumentierten Konstruktionen korreliert. Eine Liste der Konstruktionen ist über einen Klick auf die Blase abrufbar, wie exemplarisch in Abb. 2. illustriert. Ein Klick auf einen Konstruktionsnamen öffnet den jeweiligen.

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Abb. 2: Liste von unidiomatischen Konstruktionen mit einem Wert von 0.5

Unter Presets sind weitere (voreingestellte) Dimensionseinstellungen für die X- und Y-Achse verfügbar, die ausgewählt werden können. Über den Button Dimensionen selbst festlegen ist es alternativ auch möglich, die Dimensionen frei zu wählen und zu kombinieren (vgl. Abb. 3). Konkret kann etwa für die X- und die Y-Achse zwischen einer großen Anzahl an verschiedenen Parametern, nach denen die Konstruktionen annotiert wurden, ausgewählt werden.

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Abb. 3: Freie Auswahl der Dimensionen

So lassen sich bspw. alle Konstruktionen mit diatopischer Variation hinsichtlich ihrer Varietät (X-Achse) und ihres Schematizitätswerts (Y-Achse) gruppieren.

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Die Funktion der freien Auswahl der X- und Y-Achse erlaubt einen explorativen Zugang zu den Daten. Es gibt keine Beschränkungen bei der Auswahl, auch wenn nicht alle Kombinationsvarianten sinnvoll sind. Auswählbar sind auch solche Dimensionen , die bislang bei der Annotation noch keinen Einsatz gefunden haben, jedoch möglicherweise in einer späteren Projektphase Verwendung finden werden.


Auswahl und Filtern der Konstruktionen

Wenn kein Filter gesetzt wurde, werden alle im Konstruktikon des Deutschen dokumentierten Konstruktionen im Graphen angezeigt. Die anzuzeigenden Konstruktionen lassen sich über das Stift-Symbol neben dem Button Entitäten wählen auch vorfiltern. Das inkrementelle Filtersystem entspricht dem Filtersystem im Konstruktionsindex. Mit ihm lassen sich Konstruktionen nach verschiedenen Kriterien wie Konstruktionstyp, Morphosyntaktische Komplexität oder Modalität ein- bzw. ausblenden. Nach der Auswahl des Filters kann dieser mit dem Button + Filter hinzufügen erfasst werden.

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Abb. 4: Auswahl und Filtern von Konstruktionen

Die Filter sind prinzipiell beliebig kombinierbar. So wird sichergestellt, dass nur die Konstruktionen, die für die BenutzerInnen relevant sind, im Graph angezeigt werden. Ein erneuter Klick auf das Stift-Symbol führt zurück zur Auswahl der Dimensionen bzw. zum Button > Visualisierung berechnen. Mögliches Anwendungsszenario: Interessiert man sich nur für morphologische Konstruktionen, lassen sich syntaktische Konstruktionen ausblenden, vgl. Abb. 5.

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Abb. 5: Auswahl von bestimmten Konstruktionstypen

Der Schematizitätswert wird für jede Konstruktion angegeben und errechnet sich automatisch aus dem Verhältnis zwischen der Mindestanzahl von lexikalisch festen Konstruktionselementen (KE-lex) und Konstruktionselementen (KE) mit offenen Slots. Die Mindestanzahl der KE-lex wird dafür durch die Summe aller KE und der Mindestanzahl der KE-lex dividiert. Dieser Wert wird wiederum von 1 subtrahiert.
Eine Konstruktion mit einem KE-lex und zwei KE hat demnach einen Schematizitätswert von 0,66 (1-1/3). Eine Konstruktion ohne KE-lex hat immer einen Schematizitätswert von 1 (1-0/X). Konstruktionen ohne Slots gibt es im Konstruktikon des Deutschen (bislang) nicht; sie wären aber nicht-schematisch und hätten einen Schematizitätswert von 0 (1-1/1, 1-2/2,...). Je höher der Schematizitätswert ist (also je näher der Wert an 1 herankommt), desto schematischer ist die Konstruktion.
Für eine lesbare und visualisierbare Darstellung in der LexGramContinuMap wird der Schematizitätswert aus technischen Gründen normalisiert. So ist es möglich, dass auch Werte zwischen 1 und 0.5 (1 bei mindestens einem KE-lex und null KE; 0,5 bei einem KE-lex und einem KE) auftreten können; dafür wird der Schematizitätswert mittels Logarithmus auf die maximale Skala ausgebreitet, sodass der eigentliche Wert für 0.5 nicht mehr in der Mitte des Diagramms steht, sondern näher am rechten Rand. Dadurch liegt jedoch keine Gleichverteilung mehr vor.
Die Konstruktion Exklamativ:so_ADJ hat zum Beispiel einen Schematizitätswert von 0.66 (ein KE-lex, zwei KE → 1-1/3) und einen normalisierten Schematizitätswert von ca. 0.5.