Konstruktion: Verb_kausativ:be-ADJ

Die Teilnehmer tragen beispielsweise Monokel, Schnurrbärte (in der Regel angeklebt), seidene Westen, Tweedanzüge oder -kostüme. Es wird von ihnen erwartet , dass sie sich bester Manieren
{
beKE-lex:be
KE:Basisfleißig
KE:Flexionselementen
}
. Die Motorräder sind in der Regel Cafe Racer, Bobber, klassische oder Retro-Maschinen, Scrambler oder stark umgebaute Motorräder (Custombikes) aller Art.

C74DEA...100A1B
Distinguished Gentleman’s Ride. In: Wikipedia: Die freie Enzyklopädie. 27.11.2025.

Diese Konstruktion ist Teil der Konstruktionsfamilie Derivation:V(Präfix_ADJ)

Die Konstruktion wird in der Literatur bzw. in Grammatiken auch thematisiert unter:

Konstruktionstyp:

Morphologische Konstruktion

Morphologische Konstruktion: Wortbildung

Struktur/Form der Konstruktion:

be-ADJ-(e)n

Die Konstruktion Verb_kausativ:be-ADJ gehört zu der Form-Familie Derivation:V(Präfix_V) und stellt ein Wortbildungsmuster im Deutschen dar, bei dem ein Verb durch die Präfigierung eines Adjektivs gebildet wird (vgl. Fleischer/Barz 2012: 385). Die Konstruktion hat eine ‚ingressive‘ (auf den Beginn eines Zustand bzw. einer Handlung hinweisend; '[Basisadjektiv] werden') und eine ‚kausative‘ (jmdn. bzw. „'etw. [Basisadjektiv] machen'“ (ebd.: 383)) Bedeutung.

Die Konstruktion (Kxn) besteht aus dem lexikalisch festen Kern-Konstruktionselement (KE-lex) be-KE-lex:be, dem internen Kern-Konstruktionselement (Kern-KE) KE:BasisBasis und dem internen Kern-KE KE:FlexionselementFlexionselement.

Weiterführende Informationen

Unter zweifelhaften Derivaten erscheinen bereichern und besänftigen. Hier kommen zwei Ableitungsvarianten infrage: Entweder werden diese Derivate mithilfe von Zirkumfixen (be-...-er(n) und be-...-ig(en)) gebildet, oder, wie Fleischer/Barz sie kategorisieren, durch Präfigierung einer adjektivischen Basis (be-Adj).

Die Bildung von bereichern ('reicher werden' oder 'reicher machen') könnte mithilfe anderer Konversionen erklärt werden. Zu den Konversionen rechnen Fleischer & Barz auch Bildungen wie bessern mit der Bedeutung 'besser werden' bzw. 'besser machen' (vgl. Fleischer/Barz 2012: 437). Das Wort bessern wird nicht durch das Suffix -er gebildet, sondern durch Konversion der komparativen Form des Adjektivs gut (gut - besser). Da die Bildung komparativer Formen von Adjektiven nicht Derivation, sondern Flexion ist, handelt es sich um ein Adjektiv als Basis und Konversion als Derivationsart für bessern. Das gleiche gilt für das Derivat bereichern, indem -er nicht Teil eines Zirkumfixes ist, sondern ein Flexionsmorphem des Adjektivs reich. Somit wird bereichern durch Präfigierung (be-...) des Adjektivs reich gebildet.

Die Ableitung von besänftigen ist jedoch weniger transparent, denn bei diesem Derivat ist auch eine Doppelmotivation möglich: abgeleitet vom Verb sänftigen oder vom Adjektiv sanft. Es lässt sich vermuten, dass sänftigen wegen seiner niedrigen Verbreitung (37 Instanzen in DWDS-Korpus) nicht als Basis von Fleischer & Barz angenommen wird. Wenn sanft die Basis für besänftigen sein soll, bleibt die Frage offen, ob es sich um eine Präfigierung (be-Adj) oder eine Zirkumfixbildung (be-...-ig(en)) handelt. Für das Zirkumfix be-...-ig(en) werden vor allem substantivische Basen genannt, z.B. benachrichtigen, begnädigen, benachteiligen usw. (Fleischer/Barz 2012: 433). Daraus ergibt sich, dass das Zirkumfix be-...-ig(en) nur mit nominalen Basen verwendet wird, was für die Kategorisierung von besänftigen als Präfigierungsderivat (be-...) vom Adjektiv sanft spricht.


Morphosyntaktische Komplexität & Kategorie

komplexes WortDerivation
Schematizität Idiomatizität Beschränkungen
0.67 unidiomatisch ja (formseitig)

Konstruktionselemente (KE) Kern Konstruktionselemente mit lexikalisch festen Instanzen (KE-lex)

be

Das KE-lex be-KE-lex:be ist ein Präfix, das an eine adjektivische KE:BasisBasis angehängt wird und der Bildung eines neuen Verbs dient. Das Präfix be- gilt als ein insgesamt hochproduktives Präfix, das ausschließlich zur Bildung von Verben verwendet wird (vgl. Müller/Olsen 2022: 52).

Evoziert die folgenden Frames:

Beispiel:

Auf ihrer Fahrt im Autobus treffen Neda, Sung-Nam und Buk schließlich auf die verwirrt wirkende Ursula, die ihnen beinahe vors Auto läuft. Ursula kann sich
{
beKE-lex:be
KE:Basisruhig
KE:Flexionselementen
}
und schließt sich einer von Sung - Nam geplanten Gespensterjagd im Gebirge an . Obwohl es Legenden um Gespenster in dieser Gegend gibt, glauben weder Neda noch Ursula recht daran.

F5C1C9...D61331
Sehnsucht in Sangerhausen. In: Wikipedia: Die freie Enzyklopädie. 28.11.2025.
1559 wurde das Bistum Cambrai zu einem Erzbistum erhoben. Während der Revolte der Niederlande gegen Philipp II. von Spanien
{
beKE-lex:be
KE:Basismächtig
KE:Flexionselementte
}
sich Baudouin de Gavre der Stadt . 1581 brachte der Herzog von Anjou die Stadt in seinen Besitz und machte Jean de Monluc de Balagny zu deren Gouverneur.

7B3982...C16043
Cambrai. In: Wikipedia: Die freie Enzyklopädie. 31.12.2025.

Konstruktionselemente (KE) Kern Weitere Konstruktionselemente (KE)

Basis

Das interne Kern-KE KE:BasisBasis wird durch ein Adjektiv realisiert, das einen Zustand oder eine Eigenschaft bezeichnet. Diese Eigenschaft bildet die semantische Grundlage für das Derivat.

Evoziert die folgenden Frames:

Beispiel:

Sie sind vielerorts tagaktiv, neigen in dichter besiedelten Gegenden aber auch zur Nachtaktivität. Ihr außergewöhnlich gutes Sehvermögen bei Dunkelheit
{
beKE-lex:be
KE:Basisfähig
KE:Flexionselementt
}
sie dazu . Ihre hoch entwickelten Sinnesorgane und ihre als hoch eingestufte Intelligenz lassen sie natürliche Gefahren frühzeitig erkennen.

2A2A13...70BE91
Europäische Wildkatze. In: Wikipedia: Die freie Enzyklopädie. 31.12.2025.
Henriette hatte mit ihm verabredet, eine brennende Kerze in ihrem Fenster sollte signalisieren, daß sie ihn nicht empfangen konnte. Minna Körner allerdings wollte herausgefunden haben , daß dieses Zeichen dazu diente , Schiller fernzuhalten und zugleich die
{
beKE-lex:be
KE:Basisgünstig
KE:Flexionselementten
}
Nebenbuhler anzulocken . Schillers Leidenschaft wuchs mit der Eifersucht.

F14D6F...4CA547
Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 261

Typische Realisierungen:

ADJ

Flexionselement

Bei dem internen Kern-KE KE:FlexionselementFlexionselement handelt es sich um Flexionsmorpheme, die grammatische Bedeutungen wie Person-, Numerus- und Tempusmarkierungen usw. tragen. Im Unterschied zu Derivationsmorphemen bilden KE:FlexionselementFlexionselemente keine neuen Wörter, sondern beteiligen sich an der Wortformenbildung. Dieses Kern-KE kann aus einem oder mehreren Morphemen bestehen (befleißig + KE:FlexionselementInfinitivmarker -en oder befleißig + KE:FlexionselementTempusmarker -te + Person- und Numerusmarker -st).

Evoziert die folgenden Frames:

Beispiel:

Erst nach und nach sei ihm klargeworden, daß er sich mit Staatsanwalt und Kriminalpolizei herumstritt, und nur diejenigen, die nie etwas sagten, zur Stasi gehörten. » Das heißt « ,
{
beKE-lex:be
KE:Basisrichtig
KE:Flexionselementte
}
er sich , » offiziell dazugehörten . « Gerade der Kleine, die Eisenhand, habe ihm, Jörg, Aggressivität vorgeworfen.

556EA0...69F605
Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 428
1450 ging Hunyadi nach Pressburg (heute Bratislava), um mit Friedrich die Bedingungen einer Übergabe von Ladislaus V. auszuhandeln, aber es konnte keine Einigung erzielt werden. Darauf
{
beKE-lex:be
KE:Basisschuldig
KE:Flexionselementten
}
ihn die Cillis und andere Feinde , es auf den Thron abzusehen . Er brachte sie zum Schweigen, indem er auf alle seine Würden zugunsten des jungen Königs verzichtete, sobald dieser Anfang 1453 nach Ungarn zurückkehrte.

B2FE44...3A8820
ohann Hunyadi. In: Wikipedia: Die freie Enzyklopädie. 01.01.2026.
Kern-KE-Sets
BasisFlexionselement

Konstruktionselemente (KE) Nicht-Kern

Konstruktionselemente (KE) Korrelierende Elemente (KorE) exemplarisch

Fleischer, Wolfgang / Barz, Irmhild (2012): Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache, 4., völlig neu bearb. Aufl., Berlin/Boston: De Gruyter.
Müller, Peter / Olsen, Susan (2022): Systematische Einführung in die Wortbildung, in: Müller, Peter O. / Olsen, Susan (Hrsg.): Wortbildung, Berlin/Boston: De Gruyter, 37–116.